
Systemische Paartherapie: Warum es nie nur „den Schuldigen“ gibt
„Wenn du nicht ständig alles kontrollieren würdest, müsste ich mich auch nicht zurückziehen!“ „Und wenn du dich nicht ständig zurückziehen würdest, müsste ich nicht so viel kontrollieren!“ Kommt dir dieser Schlagabtausch bekannt vor? Viele Paare, die zu uns in die Praxis kommen, stecken in genau so einer Sackgasse fest: Beide sind überzeugt, die Reaktion des anderen sei das eigentliche Problem und beide haben auf ihre Weise sogar recht. Genau hier setzt die systemische paartherapie an. Sie fragt nicht zuerst „Wer hat angefangen?“, sondern „Was passiert zwischen euch, das ihr beide immer wieder in dieselbe Falle laufen lässt?“ Was bedeutet „systemisch“ eigentlich? Die systemische Therapie hat ihre Wurzeln in der Familientherapie der 1950er- bis 1970er-Jahre. Wegweisend war das Palo-Alto-Team um Paul Watzlawick, das zeigte, dass menschliche Kommunikation immer in Beziehungsmustern stattfindet und man einander gar nicht „nicht beeinflussen“ kann. Parallel entwickelte Virginia Satir ihren humanistisch geprägten Ansatz, in dem Kommunikation und
